DIE POLNISCHSTUNDE // Patricia Nocon

40 Jahre nach der Emigration aus Polen beginnt die Performerin Patricia Nocon ihre Familiengeschichte aufzuarbeiten.
In Interviews in Deutschland und Polen bringt sie die Ereignisse der Kriegs- und Nachkriegszeit ans Licht und füllt so Lücken im Familiengedächtnis. Dabei stösst sie auf vielfältige Bewältigungs- und Verdrängungsstrategien, auch bei sich selbst. Es fehlt schlichtweg eine Sprache, das Erlebte zu fassen.
Um das Verdrängte sichtbar zu machen und das Unausgesprochene zu benennen beschliesst sie polnisch zu lernen: Die Sprache die aus ihrer Familie verbannt wurde und doch Teil ihrer Identität ist.

Zusammen mit der polnisch-schweizerischen Performerin Ewelina Guzik-Zubler nähert sie sich in der Polnischstundeder Vergangenheit an, versucht sie zu entwirren und erzählbar zu machen. Der Fremdsprachenunterricht gibt die Struktur, den Rahmen des Abends vor. Die Geschichten der Vergangenheit bestimmen das Vokabular. Gesprochen wird polnisch und deutsch.

Wo die gesprochene Sprache nicht ausreicht, wo Worte unmöglich oder sogar peinlich werden, suchen sie mit Bewegungen und Gesten Wege aus der Sprachlosigkeit.

Wie verändern sich Bewegungen und Gesten, je nachdem welche Sprache gesprochen wird? Welche Körperlichkeit hat ein Trauma? In welchen Bewegungen oder Gesten könnte sich ein vererbtes Trauma zeigen?

Manchmal hilft nur Schweigen gegen die Übermacht des Themas.

Dann gilt es, das Unlösbare, das Unfassbare gemeinsam auszuhalten und einen Neuanfang zu starten.

Eine Produktion von ODERWIESE in Koproduktion mit der Kaserne Basel, CULTURESCAPES Polen, Fabriktheater Rote Fabrik Zürich und dem TOJO Theater Reitschule Bern. Gefördert durch den Fachausschuss Tanz & Theater BS/BL

Fotos: Andreas Hagenbach

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