Preenacting Climate Scena // Patrick Gusset

Szenarien produzieren spekulatives Wissen, das gegenwärtiges Handeln beeinflussen kann, soll und auch tut. Zurzeit leben wir in einem von mehreren möglichen Szenarien zur Bewältigung der Coronakrise. Szenarien werden von Wissenschaftler*innen entwickelt und Entscheidungsträger*innen vorgelegt, um in der Gegenwart Entscheidung für die Zukunft zu treffen. Ein Szenario ist also eine Methode zur Vergegenwärtigung möglicher Zukünfte. 

The Future of the Earth: Preenacting Climate Scenarios vergegenwärtigt mit den Mitteln von Tanz, Theater und Musik wissenschaftliche Klimaszenarien. Mit dem Prinzip von Performing Data werden Zukünfte, die üblicherweise in Form von Tabellen und Diagrammen dargestellt werden, sinnlich erfahrbar. Was, wenn sich das Klima weiter um 1,8, um 2,2 oder um 4,7 Grad erwärmt? In einem performativen Setting spielen fünf Performer*innen mögliche künftige Realitäten durch und lassen diese von Expert*innen aus Politik, Kunst und Wissenschaft überprüfen. Die Versuchsanordnung The Future of the Earth: Preenacting Climate Scenarios entwickelt eine andere Praxis der Szenariengestaltung und nimmt das Publikum mit, sich aktiv verschiedenen Klimazukünften zu nähern. 

DIE POLNISCHSTUNDE // Patricia Nocon

40 Jahre nach der Emigration aus Polen beginnt die Performerin Patricia Nocon ihre Familiengeschichte aufzuarbeiten.
In Interviews in Deutschland und Polen bringt sie die Ereignisse der Kriegs- und Nachkriegszeit ans Licht und füllt so Lücken im Familiengedächtnis. Dabei stösst sie auf vielfältige Bewältigungs- und Verdrängungsstrategien, auch bei sich selbst. Es fehlt schlichtweg eine Sprache, das Erlebte zu fassen.
Um das Verdrängte sichtbar zu machen und das Unausgesprochene zu benennen beschliesst sie polnisch zu lernen: Die Sprache die aus ihrer Familie verbannt wurde und doch Teil ihrer Identität ist.

Zusammen mit der polnisch-schweizerischen Performerin Ewelina Guzik-Zubler nähert sie sich in der Polnischstundeder Vergangenheit an, versucht sie zu entwirren und erzählbar zu machen. Der Fremdsprachenunterricht gibt die Struktur, den Rahmen des Abends vor. Die Geschichten der Vergangenheit bestimmen das Vokabular. Gesprochen wird polnisch und deutsch.

Wo die gesprochene Sprache nicht ausreicht, wo Worte unmöglich oder sogar peinlich werden, suchen sie mit Bewegungen und Gesten Wege aus der Sprachlosigkeit.

Wie verändern sich Bewegungen und Gesten, je nachdem welche Sprache gesprochen wird? Welche Körperlichkeit hat ein Trauma? In welchen Bewegungen oder Gesten könnte sich ein vererbtes Trauma zeigen?

Manchmal hilft nur Schweigen gegen die Übermacht des Themas.

Dann gilt es, das Unlösbare, das Unfassbare gemeinsam auszuhalten und einen Neuanfang zu starten.

Eine Produktion von ODERWIESE in Koproduktion mit der Kaserne Basel, CULTURESCAPES Polen, Fabriktheater Rote Fabrik Zürich und dem TOJO Theater Reitschule Bern. Gefördert durch den Fachausschuss Tanz & Theater BS/BL

Fotos: Andreas Hagenbach